Grün statt Grau

Auch wenn insgesamt der Grünanteil in Heidelberg stetig zurückgedrängt wird, gibt es dennoch einige gute Ansätze für mehr innerstädtisches Grün.

Meist ist dieses zusätzliche Grün jedoch nicht viel mehr als ein Tropfen auf einem heißen Stein.

Südstadt: Der „Andere Park“

Im Süden der Stadt wurde im Mai 2022 der sog. „Andere Park“ fertiggestellt. Angelegt wurde er auf einem Teil der US-Konversionsflächen von ehemaligem Mark-Twain-Village bzw. der Campbell-Barracks. Der neue Grünzug erstreckt sich westlich und östlich der Römerstraße, die Rhein­straße bildet die Grenze im Norden. Der „Andere Park“ ist ein Pro­jekt der internationalen Bauausstellung (IBA) Heidelberg; die Entwürfe stammen von dem Zürcher Büro Studio Vulkan.

Kurzkritik: Der „Andere Park“ ist besteht zur Hälfte aus kaum begrünten oder wenig begrünten Arealen (kahler Platz vor dem Karlstorbahnhof, kahler Paradeplatz, Eingangsbereich Römerstraße). Der begrünte Bereich, der alten Baumbestand bewahrt hat, bietet vielfache Nutzungsmöglichkeiten. Mehr dazu in meinem Blog (+ Bilderstrecke).

1000 Gratis-Obstbäume an privat

Wie schon einmal im Herbst 2021 verschenkte die Stadt Heidelberg auch im Frühjahr 2022 noch einmal 500 kleine Obstbäume (überwiegend Halbstämme und Buschbäume) an Gartenbesitzer. Weitere 500 Obstbäume wurden durch die Anja & Markus Adam Stiftung für Natur und Artenschutz gestiftet. Die einzige Bedingung für die neuen Besitzer: Die Bäume müssen in Heidelberg gepflanzt werden. Die Aktion soll die Artenvielfalt fördern und sich positiv auf das Stadtklima auswirken.

Dagegen kommt die Pflanzung der geplanten und versprochenen Klimawäldchen kaum voran; im Frühjahr 2022 wurden zwei Mini-Klimawäldchen angelegt. Mehr dazu …

Pflanzaktion in der Bahnstadt

Die Bahnstadt soll laut einer Kurzmeldung der RNZ vom 02.03.21 im Verlauf des Jahres grüner werden.

Den Auftakt machte die sog. „Grüne Meile“, die vorher ihren Namen kaum verdiente. Hier wurden im Frühjahr 2021 112 junge Silberlinden gepflanzt, und zwar in Form einer Allee. Auch die Da-Vinci-Straße und ein Teilabschnitt der Jensenstraße wurden mit Bäumen bestückt.

Wenig später erhielt die „Pfaffengrunder Terrasse“ eine neue Rasenfläche und 125 Bäume. Mehr dazu in meinem Blog-Artikel: „Pfaffengrunder Terrasse – Chance auf mehr Grün verschenkt“.

Insgesamt ist jeder Baum mehr natürlich positiv, aber unter dem Strich sind es insgesamt viel zu wenige, wenn man sich das Verhältnis von massiver Bebauung und Grünanteil in der Bahnstadt ansieht.

DIE „GRÜNE MEILE“ IM APRIL: Die jungen Linden treiben gerade aus.
Noch ist die neue Allee auf der „Grünen Meile“ mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die jungen Bäume sind z.T. nicht in einer Linie, sondern versetzt gepflanzt: So bleibt mehr Raum für parkende Autos.

Rasenspielfeld auf den ehemaligen US-Sportanlagen

Auf den Sportflächen der ehemaligen Mark Twain Schule auf den Konversionsflächen in der Südstadt entstanden ein Skaterpark und ein Rasenspielfeld für Ballsport. Unmittelbar angrenzend wurde eine Lärmschutzanlage modelliert, die gleichzeitig als abwechslungsreicher Spielplatz gestaltet ist (Feuerbach-/Elsa-Brändström-Str.).

SPORT- UND SPIELANGEBOT FÜR ALLE ALTERSKLASSEN Skaterpark, Rasenspielfläche und Spielplatz in der Elsa-Brändström-Straße/MTV

Neuer Park (in Planung) auf dem Areal des amerikanischen Hospitals

Im Süden von Rohrbach sollen auf der Fläche des ehemaligen US-Hospitals 600 neue Wohnungen entstehen plus ein kleiner Park etwa in der Größe eines Fußballfeldes. Die Allgemeinheit ist eingeladen, bei der Gestaltung des Parks Wünsche zu äußern.[3] Die Grünfläche soll bis 2023 fertiggestellt sein.

Klimawäldchen

Nach dem 30-Punkte-Aktionsplan für den Klimaschutz[4] wird angestrebt, bis 2025 auf Heidelberger Stadtgebiet jedes Jahr 500 Bäume zu pflanzen – also insgesamt 3.000 zu­sätzliche Bäume. Bei der Maßnahme sollen nur Stadtteile zum Zuge kommen, die keinen hohen Waldanteil haben bzw. direkt am Wald liegen.

Die Flächensuche gestaltet sich laut Stadt­verwaltung schwierig, da es nicht viele geeignete freie Areale gibt, für die noch keine anderen Pläne bestehen. Es sollen – so ist der Plan – für die Klimawäldchen möglichst bisher versiegelte Flächen entsiegelt werden.

Immerhin konnten im Frühjahr 2022 die ersten beiden Klimawäldchen realisiert werden: im Pfaffengrunder Kranichweg und im Spitzgewann. Mehr dazu…

Neu gestalteter Theaterplatz

Ein positives Beispiel: Die neun alten Platanen blieben trotz Umgestaltung erhalten, weiteres Grün in Form von Beeten kam hinzu.

WER VOM EINKAUFSBUMMEL ERSTMAL GENUG HAT, FINDET HIER ETWAS RUHE Der neu gestaltete Theaterplatz.

Ochsenkopfwiese in Bergheim gerettet

Die Ochsenkopfwiese konnte durch eine Bürgerinitiative nach jahrelangem, zähem Ringen schließlich endgültig vor Bebauung mit dem neuen Betriebshof bewahrt werden.
Mehr dazu

BUNTE VIELFALT Die Wiese am Ochsenkopf (Foto: C. Wiethaler).

Angedacht: Ausweitung des „Grünen Gürtels“

Unter Punkt 14 des 30-Punkte-Aktionsplans für den Klimaschutz ist die Ausweitung des „Grünen Gürtels“ in Heidelberg zu finden, d. h. der Flächen, auf denen sich Tier- und Pflanzenarten ansiedeln können. Angestrebt werden die Vernetzung von Biotopen und der Erhalt der biologischen Vielfalt im urbanen Raum.[6] Bisher gibt es keine konkreten Pläne zur Umsetzung.

Förderung von Dachbegrünung

Die Stadt Heidelberg fördert im Programm „Nachhaltiges Wasser­management“ die Dachbegrünung mit öffentlichen Mitteln (mehr dazu auf der Website der Stadt).

In der Bahnstadt mussten sogar der Bauvorgabe entsprechend mindestens 66 % der Dachfläche begrünt werden, allerdings nur mit niedrigen Sukkulenten u. ä.

Üppige Dachbegrünung wie hier auf dem Foto hat noch Seltenheitswert.

Dachbegrünung auf den Dächern des ehemaligen Forschungs- und Entwick-lungszentrums der Druckmaschinen; Bergheim, Ecke Kirchstr./Alte Eppelheimer Straße.

Fassadenbegrünung – ein Weg für Hausbesitzer zu mehr Grün

Zwei Vorteile dank dichter Begrünung: Die unansehnliche, kahle Wand verschwindet und das viele Grün verhindert das Aufheizen der Mauer; Altstadt, Landhausstraße.

Wer sein Haus mit Kletterpflanzen beranken möchte, kann dies tun. Allerdings gibt es für Fassaden­begrü­nung im Moment (noch) keine Fördergelder.

Aufpassen müssen aber die Besitzer denk-malgeschützter Häuser, denn bei ihnen ist jeder  Außenbewuchs verboten.

Am einfachsten ist eine Fassadenbegrünung mit sog. Selbstklimmern zu erreichen, also mit Pflanzen wie der Kletterhortensie, dem Wilden Wein oder dem Efeu, die keine Kletterhilfe benötigen. Doch die Haftwurzeln oder Haftfüßchen hinterlassen an der Wand Spuren.

Wenn man das vermeiden möchte, kann man sich auch für eine sog. Vorhangfassade entscheiden, die allerdings vom Fachmann geplant und umgesetzt werden muss. Bei dieser Art werden vor der Gebäudefassade Ranknetze oder Stahlseile gespannt, an denen dann die Pflanzen emporranken können.

Mehr zur Begrünung von Fassaden in meinem Blogartikel vom Februar 2022.

Neu gepflanzte Bäume durch private Initiativen:

  • In Wieblingen wurden im März 2021 am Altneckar (Höhe Kompostwerk) zwei Bäume gepflanzt, wie sie für eine Auenlandschaft typisch sind: eine Esche und eine Stieleiche. Spender waren ein Wieblinger Bürger und der BUND Ortsgruppe Heidelberg-Wieblingen (vgl. Kurzmeldung in der RNZ vom 12.03.2021). Damit soll ein gewisser Ausgleich geschaffen werden für die vielen Bäume, die erst im Zuge von heftig umstrittenen Baumaßnahmen gefällt wurden (z.B. am Wieblinger Dammweg).
  • Von zwei Organisationen, dem Rotary-Club Heidelberg-Neckar und dem Rotaract Club Heidelberg-International, wurden drei neue Trauerweiden für die Neckarwiese gespendet, nachdem die größte Trauerweide dort nach Sturmschäden sehr gestutzt werden musste (vgl. Artikel von Sarah Hinney „Große Freude über drei neue Trauerweiden“, RNZ vom 23.03.2021).
Die drei jungen Trauerweiden müssen trotz der Nähe zum Neckar bewässert werden, damit sie gut anwachsen. Die empfindliche Rinde der Jungbäume wird mit Schilfrohr vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Zum Nachlesen:

[1] Vgl. dazu den Bericht von Maria Stumpf: „Die Römerstraße bekommt einen Grünstreifen in der Mitte – Aber der Bezirksbeirat Südstadt ärgert sich über Baumfäl­lungen in der Elsa-Brandström-Straße“, in: RNZ vom 02.06.2020; https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberger-suedstadt-die-roemerstrasse-bekommt-einen-gruenstreifen-in-der-mitte-_arid,517178.html.

[2] Vgl. dazu den Artikel von Denis Schnur: Warum wurde die Linde gefällt?, in: RNZ vom 17.03.2021; https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberger-suedstadt-linde-wurde-wegen-altem-messfehler-gefaellt-_arid,643192.html.

[3] Vgl. dazu z. B. den Artikel von Helen Moayer Toroghy: „Was sich die Bürger im neuen Hospital-Park wünschen. Viele Ideen, wenig Platz – 7000 Quadratmeter wie gestalten?“, in RNZ vom 09.03.2021; https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberg-was-sich-die-buerger-im-neuen-hospital-park-wuenschen-_arid,638881.html.

[4] Die Schaffung von Klimawäldchen findet sich als Punkt 13 im 30-Punkte-Aktionsplan zum Klimaschutz, der vom Gemeinderat Ende 2019 verabschiedet wurde. Vgl. Website der Stadt Heidelberg https://www.heidelberg.de/hd/HD/service/22_11_2019+der+30-punkte-aktionsplan+fuer+mehr+klimaschutz.html.

[5] Vgl. MRN-News.de, Artikel „2021 entstehen die ersten Heidelberger Klimawäldchen“ vom 18.12.2020.

[6] Die Absichtserklärung für eine Erweiterung des „Grünen Gürtels“ findet sich als Punkt 14   im 30-Punkte-Aktionsplan zum Klimaschutz, der vom Gemeinderat Ende 2019 verabschiedet wurde. Im Moment sind aber noch keine konkreten Maßnahmen in Sachen „Grüner Gürtel“ geplant. Vgl. Website der Stadt Heidelberg https://www.heidelberg.de/hd/HD/service/22_11_2019+der+30-punkte-aktionsplan+fuer+mehr+klimaschutz.html.