Grün statt Grau

Auch wenn insgesamt der Grünanteil in Heidelberg stetig zurückgedrängt wird, gibt es dennoch einige gute Ansätze für mehr innerstädtisches Grün.

Meist ist dieses zusätzliche Grün jedoch nicht viel mehr als ein Tropfen auf einem heißen Stein.

Pflanzaktion in der Bahnstadt

Die Bahnstadt soll laut einer Kurzmeldung der RNZ vom 02.03.21 dieses Jahr grüner werden.

Den Auftakt macht die sog. „Grüne Meile“, die bis jetzt ihren Namen kaum verdient.

Nun wurden im März/April 112 Silberlinden gepflanzt, und zwar in Form einer Allee. Auch die Da-Vinci-Straße und ein Teilabschnitt der Jensenstraße wurden mit Bäumen bestückt.

Im Laufe von April/Mai erhält die „Pfaffengrunder Terrasse“ eine neue Rasenfläche und 125 Bäume. Später im Jahr sollen noch weitere Bäume in der Bahnstadt hinzukommen.

Insgesamt sind 2021 rund 290 neue Bäume für die Bahnstadt eingeplant. Das ist insgesamt natürlich positiv, aber unter dem Strich viel zu wenig, wenn man sich das Verhältnis von massiver Bebauung und Grünanteil in der Bahnstadt ansieht.

DIE „GRÜNE MEILE“ IM APRIL: Die jungen Linden treiben gerade aus.
Noch ist die neue Allee auf der „Grünen Meile“ mit bloßem Auge kaum zu erkennen. Die jungen Bäume sind z.T. nicht in einer Linie, sondern versetzt gepflanzt: So bleibt mehr Raum für parkende Autos.

Südstadt: Der „Andere Park“

Im Süden der Stadt entsteht derzeit der sog. „Andere Park“. Angelegt wird er auf einem Teil der Konversionsflächen von ehemaligem Mark-Twain-Village bzw. der Campbell-Barracks. Der neue Grünzug erstreckt sich westlich und östlich der Römerstraße, die Rhein­straße bildet die Grenze im Norden. Das großangelegte Un­terfangen soll bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Der „Andere Park“ ist ein Pro­jekt der internationalen Bauausstellung (IBA) Heidelberg; die Entwürfe stammen von dem Zürcher Büro Studio Vulkan.

Die Vision hinter dem Projekt: Der „Andere Park“ soll ein lebendiger Ort der Begegnung werden. Seine „Anders­artig­keit“, die der Name andeutet, bezieht sich auf die große Palette an Nutzungs­angeboten, durch die er sich von her­kömm­lichen Grünanlagen unterscheidet. So wird es Liege­flächen geben und sog. grüne „Wohnzimmer“, d. h. beleuch­tete Sitzinseln unter Bäumen, die zum Verweilen einladen. Ein großzügiger Sand-und-Matsch-Bereich, eine „Schaukel­welt“ sowie ein naturnahes Spielgebüsch für die Kinder stehen ebenso auf dem Plan wie Möglichkeiten zur sportlichen Betä­tigung. Sogar eine Naturbühne für Auftritte kreativer Talente ist angedacht.

Die sinnvolle Umnutzung vormals militärischer Einrichtungen ist ein weiteres wesentliches Merkmal des Projekts. Beispiels­weise wird der ehemalige Paradeplatz zum ansprechen­den Treffpunkt für jedermann umgestaltet; darüber hinaus können hier künftig auch Großveranstaltungen stattfinden.

Zu der Parklandschaft westlich der Römerstraße kommt noch ein Grünbereich auf der östlichen Seite hinzu, nämlich das Gebiet südlich der ehemaligen Chapel. Dieses Areal wird zum „Common Ground“, also zum gemeinschaftlich genutzten Ge­lände, das von den Bürgern und Bürgerinnen teilweise selbst gestaltet wird und – neben den direkten Anliegern – auch der Allgemeinheit offensteht.

Die Römerstraße, die mitten durch die Konver­sions­flächen führt, wird im Rahmen der Neugestaltung des gesam­ten Areals ebenfalls ein neues Erscheinungsbild bekommen, u. a. durch einen Mittelstreifen mit 19 Bäumen.

Ein dickes Minus: Zahlreiche Baumfällungen für den „Anderen Park“

Ende Mai 2020 starteten die Bauarbeiten für den „Anderen Park“ – allerdings mit einem großen Ärgernis. Es klingt wie ein Witz, ist jedoch keiner: Die Arbeiten an diesem Groß­projekt begannen erst einmal mit Baum­fällungen. Obendrein wurden mit dem Fortschreiten der Arbeiten einfach still­schweigend weitere Bäume gefällt, die laut der Planungen dafür gar nicht vorgesehen waren.

Der Grund laut zuständiger Behörde: Die notwen­dige Infra­struktur sei erst im Nachhinein eingeplant worden, daher habe man von der ursprünglich beabsichtigten Vor­gehensweise abweichen müssen. [1]

Auch im Frühjahr 2021 ist es erneut dazugekommen, dass Bäume im Zuge der Baumaßnahmen gefällt wurden (Kirschgartenstraße – 4 Exemplare), Römerstraße (1 Exemplar), s. Fotos. Ob diese Bäume zur Fällung von vornherein vorgesehen waren, entzieht sich unserer Kenntnis.

Definitiv erhalten bleiben sollte jedoch eine Linde im Baufeld in der Kirschgartenstraße, die Ende Februar 2021 überraschend doch gefällt wurde. Als Grund wurde eine falsche Kartierung der Linde genannt.[2]

Zu den jüngsten Baumfällungen gab es einige erboste Leserbriefe in der RNZ vom 04.03.21.

4 Bäume in der Kirschgartenstraße, Südstadt.
1 großer Baum, Römerstraße West.

Leider kein Einzelfall: Das Erhalten von bestehenden Bäumen hat oft in der Planung nicht den Stellenwert, den man sich in Zeiten des Klima­wan­dels wünschen würde, offenbar nicht einmal, wenn ein neuer Park entstehen soll.

Aufgewertetes, multifunktionales Grün – doch wie viel Zuwachs an Grün?

Ob der „Andere Park“ unterm Strich sehr viel Plus an Grün bringt, muss sich erst noch zeigen. Denn er entsteht da, wo bereits vorher grüne Areale und viele Bäume vorhanden waren, die allerdings z.T. gefällt wurden/gefällt werden mussten. Der Bereich östlich der Römerstraße/südlich der „Chapel“ (Kirschgartenstraße) war bisher schon ein Grünzug (Bäume und Rasen). Auch der Bereich westlich der Römerstraße/südlich der Rheinstraße war bereits von den Amerikanern recht grün und mit vielen Bäumen gestaltet.

Wen der Grünanteil/die Anzahl der Bäume auf den Konversionsflächen vor Beginn der Planungen bzw. Baumaßnahmen näher interessiert, dem sei die akribische Bestandserfassung des Ingenieursbüros Eiling aus dem Jahr 2014 empfohlen. In diesem von der Stadt Heidelberg in Auftrag gegebenen Dokument werden für den Bereich der Campbell Barracks 450 Bäume (Stand März 2014) aufgelistet, für die Campbell Barracks und den Bereich Mark Twain Village West zusammen 1259 Bäume; davon wurden zu diesem Zeitpunkt in dem Gutachten knapp 50 Bäume aufgrund ihres Zustands zur Fällung empfohlen.

ALTE BÄUME, VIEL GRÜN Situation auf dem Gelände des zukünftigen Parks vor Baubeginn; Das“Eddy-House“ im März 2020; Blick von der Rheinstraße Richtung Süden.

Positiv ist an dem Projekt „Anderer Park“ aber auf jeden Fall die geplante qualitativ hochwertige Gestaltung des Parks zu bewerten und die vielfache Nutzbarkeit der Anlage für jedermann.

Rasenspielfeld auf den ehemaligen US-Sportanlagen

Auf den Sportflächen der ehemaligen Mark Twain Schule auf den Konversionsflächen in der Südstadt entstanden ein Skaterpark und ein Rasenspielfeld für Ballsport. Unmittelbar angrenzend wurde eine Lärmschutzanlage modelliert, die gleichzeitig als abwechslungsreicher Spielplatz gestaltet ist (Feuerbach-/Elsa-Brändström-Str.).

SPORT- UND SPIELANGEBOT FÜR ALLE ALTERSKLASSEN Skaterpark, Rasenspielfläche und Spielplatz in der Elsa-Brändström-Straße/MTV

Neuer Park (in Planung) auf dem Areal des amerikanischen Hospitals

Im Süden von Rohrbach sollen auf der Fläche des ehemaligen US-Hospitals 600 neue Wohnungen entstehen plus ein kleiner Park etwa in der Größe eines Fußballfeldes. Die Allgemeinheit ist eingeladen, bei der Gestaltung des Parks Wünsche zu äußern.[3] Die Grünfläche soll bis 2023 fertiggestellt sein.

Klimawäldchen

Nach dem 30-Punkte-Aktionsplan für den Klimaschutz[4] wird angestrebt, bis 2025 auf Heidelberger Stadtgebiet jedes Jahr 500 Bäume zu pflanzen – also insgesamt 3.000 zu­sätzliche Bäume. Bei der Maßnahme sollen nur Stadtteile zum Zuge kommen, die keinen hohen Waldanteil haben bzw. direkt am Wald liegen.

Die Flächensuche gestaltet sich laut Stadt­verwaltung schwierig, da es nicht viele geeignete freie Areale gibt, für die noch keine anderen Pläne bestehen. Es sollen – so ist der Plan – für die Klimawäldchen möglichst bisher versiegelte Flächen entsiegelt werden.

Immerhin konnten bisher zwei Standorte benannt werden: Im Herbst 2021 sollen im Pfaffengrunder Kranichweg und im Jahr darauf anstelle der ehemaligen US-Tankstelle am Gneisenauplatz in Bergheim die ersten beiden Klimawäldchen entstehen.

Mit Blick auf die Klimaerwärmung werden hitzetolerante Jung­bäume gepflanzt. Kostenpunkt für die zwei Wäldchen: 188.000 Euro (Pfaffengrund) und 78.000 Euro (Bergheim).[5]

Neu gestalteter Theaterplatz

Ein positives Beispiel: Die neun alten Platanen blieben trotz Umgestaltung erhalten, weiteres Grün in Form von Beeten kam hinzu.

WER VOM EINKAUFSBUMMEL ERSTMAL GENUG HAT, FINDET HIER ETWAS RUHE Der neu gestaltete Theaterplatz.

Ochsenkopfwiese in Bergheim gerettet

Die Ochsenkopfwiese konnte durch eine Bürgerinitiative nach jahrelangem, zähem Ringen schließlich endgültig vor Bebauung mit dem neuen Betriebshof bewahrt werden.
Mehr dazu

BUNTE VIELFALT Die Wiese am Ochsenkopf (Foto: C. Wiethaler).

Angedacht: Ausweitung des „Grünen Gürtels“

Unter Punkt 14 des 30-Punkte-Aktionsplans für den Klimaschutz ist die Ausweitung des „Grünen Gürtels“ in Heidelberg zu finden, d. h. der Flächen, auf denen sich Tier- und Pflanzenarten ansiedeln können. Angestrebt werden die Vernetzung von Biotopen und der Erhalt der biologischen Vielfalt im urbanen Raum.[6] Bisher gibt es keine konkreten Pläne zur Umsetzung.

Förderung von Dachbegrünung

Die Stadt Heidelberg fördert im Programm „Nachhaltiges Wasser­management“ die Dachbegrünung mit öffentlichen Mitteln (mehr dazu auf der Website der Stadt).

In der Bahnstadt mussten sogar der Bauvorgabe entsprechend mindestens 66 % der Dachfläche begrünt werden, allerdings nur mit niedrigen Sukkulenten u. ä.

Üppige Dachbegrünung wie hier auf dem Foto hat noch Seltenheitswert.

Dachbegrünung auf den Dächern des ehemaligen Forschungs- und Entwick-lungszentrums der Druckmaschinen; Bergheim, Ecke Kirchstr./Alte Eppelheimer Straße.

Fassadenbegrünung – ein Weg für Hausbesitzer zu mehr Grün

Zwei Vorteile dank dichter Begrünung: Die unansehnliche, kahle Wand verschwindet und das viele Grün verhindert das Aufheizen der Mauer; Altstadt, Landhausstraße.

Wer sein Haus mit Kletterpflanzen beranken möchte, kann dies tun. Allerdings gibt es für Fassaden­begrü­nung im Moment (noch) keine Fördergelder.

Aufpassen müssen aber die Besitzer denk-malgeschützter Häuser, denn bei ihnen ist jeder  Außenbewuchs verboten.

Am einfachsten ist eine Fassadenbegrünung mit sog. Selbstklimmern zu erreichen, also mit Pflanzen wie der Kletterhortensie, dem Wilden Wein oder dem Efeu, die keine Kletterhilfe benötigen. Doch die Haftwurzeln oder Haftfüßchen hinterlassen an der Wand Spuren.

Wenn man das vermeiden möchte, kann man sich auch für eine sog. Vorhangfassade entscheiden, die allerdings vom Fachmann geplant und umgesetzt werden muss. Bei dieser Art werden vor der Gebäudefassade Ranknetze oder Stahlseile gespannt, an denen dann die Pflanzen emporranken können.

Neu gepflanzte Bäume durch private Initiativen:

  • In Wieblingen wurden im März 2021 am Altneckar (Höhe Kompostwerk) zwei Bäume gepflanzt, wie sie für eine Auenlandschaft typisch sind: eine Esche und eine Stieleiche. Spender waren ein Wieblinger Bürger und der BUND Ortsgruppe Heidelberg-Wieblingen (vgl. Kurzmeldung in der RNZ vom 12.03.2021). Damit soll ein gewisser Ausgleich geschaffen werden für die vielen Bäume, die erst im Zuge von heftig umstrittenen Baumaßnahmen gefällt wurden (z.B. am Wieblinger Dammweg).
  • Von zwei Organisationen, dem Rotary-Club Heidelberg-Neckar und dem Rotaract Club Heidelberg-International, wurden drei neue Trauerweiden für die Neckarwiese gespendet, nachdem die größte Trauerweide dort nach Sturmschäden sehr gestutzt werden musste (vgl. Artikel von Sarah Hinney „Große Freude über drei neue Trauerweiden“, RNZ vom 23.03.2021).
Die drei jungen Trauerweiden müssen trotz der Nähe zum Neckar bewässert werden, damit sie gut anwachsen. Die empfindliche Rinde der Jungbäume wird mit Schilfrohr vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt.

Zum Nachlesen:

[1] Vgl. dazu den Bericht von Maria Stumpf: „Die Römerstraße bekommt einen Grünstreifen in der Mitte – Aber der Bezirksbeirat Südstadt ärgert sich über Baumfäl­lungen in der Elsa-Brandström-Straße“, in: RNZ vom 02.06.2020; https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberger-suedstadt-die-roemerstrasse-bekommt-einen-gruenstreifen-in-der-mitte-_arid,517178.html.

[2] Vgl. dazu den Artikel von Denis Schnur: Warum wurde die Linde gefällt?, in: RNZ vom 17.03.2021; https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberger-suedstadt-linde-wurde-wegen-altem-messfehler-gefaellt-_arid,643192.html.

[3] Vgl. dazu z. B. den Artikel von Helen Moayer Toroghy: „Was sich die Bürger im neuen Hospital-Park wünschen. Viele Ideen, wenig Platz – 7000 Quadratmeter wie gestalten?“, in RNZ vom 09.03.2021; https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberg-was-sich-die-buerger-im-neuen-hospital-park-wuenschen-_arid,638881.html.

[4] Die Schaffung von Klimawäldchen findet sich als Punkt 13 im 30-Punkte-Aktionsplan zum Klimaschutz, der vom Gemeinderat Ende 2019 verabschiedet wurde. Vgl. Website der Stadt Heidelberg https://www.heidelberg.de/hd/HD/service/22_11_2019+der+30-punkte-aktionsplan+fuer+mehr+klimaschutz.html.

[5] Vgl. Website der Stadt Heidelberg, Artikel „2021 entstehen die ersten Heidelberger Klimawäldchen“ vom 18.12.2020; https://www.heidelberg.de/hd/HD/service/18_12_2020+2021+entstehen+die+ersten+heidelberger+klimawaeldchen.html.

[6] Die Absichtserklärung für eine Erweiterung des „Grünen Gürtels“ findet sich als Punkt 14   im 30-Punkte-Aktionsplan zum Klimaschutz, der vom Gemeinderat Ende 2019 verabschiedet wurde. Im Moment sind aber noch keine konkreten Maßnahmen in Sachen „Grüner Gürtel“ geplant. Vgl. Website der Stadt Heidelberg https://www.heidelberg.de/hd/HD/service/22_11_2019+der+30-punkte-aktionsplan+fuer+mehr+klimaschutz.html.