Stadtgrün invasiv

Neophyten – Pflanzen aus fremden Regionen

Zu allen Zeiten wurden und werden noch immer durch das Zutun des Menschen gebietsfremde Pflanzen in andere Regionen gebracht. Entweder werden neue Pflanzenarten bewusst einge­führt, z. B. als Zier- oder Nutzpflanzen, oder unbeabsicht­igt einge­schleppt. In vielen Fällen leben diese Neu­ankömmlinge (man nennt sie „Neophyten“ = „neue Pflanzen“) in friedlicher Koexistenz mit den heimischen Pflanzen.

Einige fremde Arten machen Probleme

Manchmal aber bereiten die neuen Arten massive Probleme, nämlich wenn sie sich als „invasiv“ erweisen. Im wörtlichen Sinn bedeutet „invasiv“: Sie verhalten sich wie „feindliche Eindringlinge“, die angestammten Pflanzen den Lebens­raum massiv streitig machen.

Invasive Neophyten zeichnen sich gewöhnlich dadurch aus, dass sie sich massen­haft verbreiten und dadurch das natür­liche Gleichgewicht z. T. erheblich stören, mitunter sogar stellenweise das Landschaftsbild verändern.

Stechapfel (Datura stramonium)

Ein Beispiel für eine invasive Pflanze ist der Stechapfel. Ur­sprüng­lich stammt er aus Asien und Amerika, ist aber heute über die ganze Welt verbreitet. In Europa gilt er als Neophyt. Als Lichtkeimer bevorzugt er unbeschattete Brachen, wo er sich ungehemmt ausbreitet. Seine Blüten öffnen sich nachts und locken mit süßlichem Duft Nachtfalter an. Allerdings ist er nicht auf Insekten­besuch angewiesen, weil auch Selbstbestäubung funktioniert.

Die stacheligen Fruchtkapseln enthalten bis zu 300 Samen. Sind sie reif, öffnet sich die Kapsel und gibt die Samen frei. Sämtliche Pflanzenteile sind hochgiftig. Will man den Stech­­apfel entfernen, sind Handschuhe ratsam, da schon der Kontakt mit dem Pflanzensaft Hautreizungen verursachen kann.

ATTRAKTIV, ABER HOCHGIFTIG IN ALLEN TEILEN Der Stechapfel macht sich gern auf Brachflächen massenhaft breit; die Blüte öffnet sich nachts.
DIE DURCH BAUARBEITEN ENTSTANDENE BRACHFLÄCHE NUTZT DER STECHAPFEL Wiese hinter dem Universitätsklinikum(Medizinische Klinik), Im Neuenheimer Feld.
STECHAPFEL-„PLANTAGE“ Der neu angesäte Rasen vor dem Physikalischen Institut INF 226 hatte dem Ausbreitungsdrang der Stechapfelpflanzen nichts entgegenzusetzen; sie sind Lichtkeimer; (Foto vom Juni 2020).

Drüsiger Götterbaum (Ailanthus altissima)

Beim Götterbaum liegen Licht und Schatten nahe beieinander. Einerseits ist er aufgrund seiner Anspruchslosigkeit ein Hoffnungs-träger: Er scheint mit dem Klimawandel gut zurechtzukommen und bietet sich von daher als aussichtsreiche Stadtbaumart an. Zudem wächst er schnell und besitzt er eine attraktive Optik.

Aber: Der Götterbaum neigt dazu, sich ungebremst auszu­breiten. Und zwar sowohl über seine Flügelnüsschen als auch über unterirdische Triebe (Wurzelsprosse). Hat er einmal irgendwo Fuß gefasst, ist er schwer wieder loszuwerden. Selbst wenn man ihn absägt, treibt er noch jahrelang aus. Obendrein macht der Götterbaum Konkurrenten das Leben schwer, indem er aus Blättern und Wurzeln giftige Substanzen ausscheidet; man nennt dieses Phänomen, das man z.B. auch von Walnussbäumen kennt, Allelopathie.

MACHT SICH AUF JEDEM FREIEN FLECK RASCH BREIT UND VERDRÄNGT DURCH SEIN EXTREM SCHNELLES WACHSTUM ANDERE PFLANZEN Junge Götterbaumtriebe am Rufinusplatz, Neuenheim.

Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana)

Vor allem in den Wäldern breitet sich die Kermesbeere stark aus und verdrängt dort einheimische Pflanzen. Ein Effekt, den offenbar kaum jemand vorhergesehen hat, als die Kermesbeere als attraktive Gartenpflanze bei uns eingeführt wurde. Sie ist überaus widerstands­fähig und bildet sehr lange kräftige, rüben­artige Wurzeln aus. Die Beeren werden von Vögeln gern verzehrt, die so zur Verbreitung beitragen. Doch auch per Selbstaussaat oder über Wurzelsprosse vermehrt sich die Kermesbeere sehr erfolgreich. Zudem arbeitet die Pflanze mit der chemischen Keule: Sie gibt Giftstoffe in den Boden ab, sodass pflanzliche Konkurrenz hier kaum Fuß fassen kann.

Die Ker­mes­beere enthält in allen Teilen Giftstoffe, v. a. in Wurzeln und Samen. Über die massive Ausbreitung der Kermesbeere im Hardtwald berichtete die RNZ wiederholt recht ausführlich, zuletzt im Juni 2021.

ALS ATTRAKTIVE ZIERPFLANZE IN GÄRTEN GESCHÄTZT, IN FREIER NATUR ABER EINE GEFAHR FÜR DIE EINHEIMISCHE PFLANZENWELT Die Amerikanische Kermesbeere (fotografiert im Sommer 2020 am Neuenheimer Neckarufer).
Die Asiatische Kermesbeere (in Blüte) in einer Mauerritze in der Hospitalstraße, Bergheim; Foto von Ende Juni 2021.

Eine andere Art der Kermesbeeren ist die Asiatische Kermesbeere (Phytolacca acinosa). Sie schlägt mitunter ungeplant auch außerhalb der Gärten im Stadtgebiet Wurzeln; die massiven Probleme in den Wäldern ringsum werden aber den Berichten nach durch die Amerikanische Kermesbeere verursacht.

Die Asiatische Kermesbeere (mit Fruchtständen) in einer Hecke in der Blumenthalstraße, Neuenheim; Foto vom August 2021.

Zum Weiterlesen/für vertiefte Infos: Rupp Mattias, Palm Therese, Michiels Hans-Gerhard (2017): Die Kermesbeere – eine invasive Art in lichten Wäldern. AFZ 9/2017, S. 38-42; online-Version einsehbar unter https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/schadensmanagement/neue-arten/kermesbeere-bekaempfen


Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica)

STAUDENKNÖTERICH AM NECKARUFER Gut erkennbar ist die Traufspitze an den Blättern; er ist in Verruf geraten, da er einheimische Arten durch seine extreme Wuchsfreudigkeit verdrängt und nahezu unverwüstlich ist (fotografiert im Uferbereich der Ziegelhäuser Neckarwiese).

Ursprünglich wurde der Japanische Staudenknöterich Anfang des 19. Jahrhunderts als Zierpflanze und als spätblühende Bienenweide zuerst bei uns in Baden-Württemberg eingeführt. Inzwischen hat er sich aber auch außerhalb der Gärten an vielen Standorten extrem breitgemacht und trotzt erfolgreich den Versuchen, ihn dort wieder loszuwerden.

Am Ufersaum ist der Knöterich besonders gefürchtet, da seine oft meterlangen Rhizome (Erdkriechsprossen) das Erdreich nicht festhalten – im Gegensatz zu den Wurzeln anderer Pflanzen. Bei Hochwasser ist der Ufersaum daher an den vom Staudenknöterich befallenen Stellen ungeschützt und bricht ab.

Im Frühjahr treiben die Rhizome neu aus; die Stängel wachsen sehr rasch auf drei bis vier Meter Höhe heran und bilden dichte Bestände. Haben die Stängel eine gewisse Höhe erreicht, neigt sich ihr oberster Teil weit vorne über, mit der Folge, dass der darunter liegende Boden so beschattet wird, dass dort kaum noch etwas wächst. Mit seiner Wuchsfreudigkeit und Widerstandskraft gegen die meisten Ausrottungsversuche erweist er sich als eine Gefahr v.a. für unsere einheimische Uferflora. Mehr dazu …

In Heidelberg setzt man, um ihn in Schach zu halten, vor allem auf regelmäßiges Abmähen. So kann man hoffen, die Pflanze über die Jahre allmählich zu schwächen. Ausgraben bzw. Ausreißen der Rhizome dagegen ist zumeist wenig erfolgversprechend. Sie stecken oft tief im Boden und brechen beim Herausziehen sehr leicht; jedes noch so kleine Bruchstück ist in der Lage, wieder auszutreiben. Man müsste, um einen nachhaltigeren Erfolg zu erzielen, nach dem Ausreißen der Rhizome die Erde noch mit heißem Dampf behandeln. Das jedoch ist sehr aufwändig und teuer.

Staudenknöterich-Bekämpfung an der kleinen Neckarwiese, Ziegelhäuser Landstraße.
Auch auf der Schlierbacher Uferseite gedeiht der Staudenknöterich prächtig.
Auch in der Nähe der Schleuse versucht man, den Staudenknöterich durch Mähen zu schwächen.

Auf dem Foto links haben sich gleich zwei Problempflanzen verbündet: die Kermesbeere (Vordergrund) und dahinter der Staudenknöterich.

Das Problem mit dem Staudenknöterich hat übrigens nicht nur Heidelberg. Vor allem die Ortenau ist schwer betroffen. Zur Lage dort gibt es einen sehr anschaulichen SWR-Kurzfilm, der die Problematik eindringlich verdeutlicht („Zur Sache! Baden-Württemberg. Staudenknöterich auf dem Vormarsch“, 2019).

DAGEGEN IST BUCHSTÄBLICH KEIN KRAUT GEWACHSEN Staudenknöterichbefall in den Gleisanlagen in der Berliner Straße, H’heim.
STAUDENKNÖTERICH AM WEHRSTEG Foto: C. Wiethaler.