Klein-Klein bei den Klimawäldchen

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist es endlich da: das erste Klimawäldchen. Allerdings ist es um Größenordnungen kleiner ausgefallen als geplant. Statt der angestrebten 500 Bäume wurden es nur etwa 70. Hinzukommen noch einige Blühsträucher sowie eine Naschhecke mit Beeren für tierische Besucher; auch soll noch eine Blumenwiese für Insekten angelegt werden.

Der frisch bepflanzte schmale Streifen Land liegt im Spitzgewann, genau gegenüber dem ausladenden SNP-Dome und dem angrenzenden riesigen Parkhaus. Für den Klimaschutz hat die Stadt nur ein kleines Fleckchen Land bereitgestellt – ein Hohn angesichts der gewaltigen neuen Betonbauten in Blickweite, die enorme Flächen vereinnahmen.

Rodung von 25 Bäumen vor dem Anlegen des Klimawäldchens

Für das Klimawäldchen mussten – es klingt zuerst aberwitzig – die auf der Fläche vorhandenen Bäume gerodet werden. Es soll sich dabei laut Angaben der Stadt aber um stark geschädigte bzw. abgestorbene Blaufichten gehandelt haben.

Das Gelände nach der Rodung; einige wenige gesunde Bäume blieben erhalten. Die Wurzelstöcke der gefällten großen Bäume säumen den Feldrain, vermutlich, um den bloßen Boden vor dem Verwehen zu schützen. Die Holzlatten markieren die Position der zu pflanzenden Jungbäume; Spitzgewann/Baumschulenweg, Bahnstadt.
Nur ein handtuchbreiter Streifen Land fand sich für das Klimawäldchen (rd. 2100 qm).
Zum Vergleich: Jede Menge versiegelte Fläche in unmittelbarer Nähe durch das riesige brandneue Parkhaus und den gerade eröffneten SNP-Dome. Hier wurde geklotzt, nicht gekleckert; Speyerer Straße.

Ein zweites Mini-Klimawäldchen …

… entsteht derzeit auf der Grünfläche im Kranichweg. Der Gehölzring um die ovale Grünanlage wurde im Norden durch einige neue Bäume und Gehölze geschlossen. Nun wird ein Teil der Rasenfläche zum Wäldchen umgewandelt. Am Ende werden drei Viertel des Areals mit Bäumen bepflanzt sein. Inwieweit das sinnvoll ist, darüber kann man streiten. Als Goodie für die Anwohnerschaft wird die bestehende Boulefläche aufgearbeitet.

Hier entsteht ein zweites Klimawäldchen: Der Bagger bereitet den Boden für die Pflanzung vor. Schade, dass man keine andere Lösung gefunden hat, als eine viel genutzte Rasenfläche dicht mit Bäumen zu bepflanzen; Kranichweg, Pfaffengrund.

Von der Stadt Heidelberg verlautet, man finde für Klimawäldchen kaum geeignete Flächen im Stadtgebiet. Zudem existierten „teilweise sich widersprechende Ansprüche, beispielsweise landwirtschaftliche Interessen, Umweltbelange, Vorrangzonen für den Hochwasserschutz oder Festlegungen aus früheren Planungen.“ Dass die Flächensuche nicht leicht ist, bestreitet wohl niemand. Aber wäre der politische Wille in letzter Konsequenz vorhanden, fänden sich Mittel und Wege.

Hintergrund:

Laut  dem Klimaschutz-Aktionsplan der Stadt Heidelberg soll(te) ab 2021 pro Jahr ein Klimawäldchen à 500 Bäume gepflanzt werden, und das 5 Jahre lang. Vorrangig sollten Stadtteile bedacht werden, die über keinen direkten Zugang zum Stadtwald verfügen. In erster Linie sollten für das Projekt versiegelte Flächen entsiegelt werden, um den erhofften positiven Effekt auf die Klimabilanz noch einmal zu verstärken.

Im Herbst 2021 scheiterte der erste Anlauf für ein Klimawäldchen, weil man keine geeignete Fläche finden konnte. Nach Besichtigung einer ins Auge gefassten versiegelten Fläche in Wieblingen kamen Vertreter des Gemeinderats und der Leiter des Landschaftsamts damals zu dem Schluss, dass eine Entsiegelung und die danach erforderliche Aufbereitung des Bodens zu langwierig und auch zu teuer seien. Anstelle des geplanten Klimawäldchens verschenkte die Stadt 500 kleine Obstbäume an Heidelberger Bürgerinnen und Bürger. Diese Aktion wurde im Frühjahr 2022 wiederholt.

Sie sehen, dass Sie nichts sehen … oder doch: Beim genauen Betrachten kann man das eine oder andere Stämmchen erkennen. Die Jungbäume sind zwischen 80-120 cm hoch.

Update April 2022: Inzwischen wurde das Klimawäldchen im Pfaffengrund fertig bepflanzt. Es sollen rd. 300 Bäume sein, auf einer Fläche von rd. 2600 qm. Noch ist nicht viel zu erkennen, da man sehr junge Bäume gewählt hat – wohl in der Hoffnung, dass sie dadurch die Chance haben, sich gut an den Standort anzupassen. Bei der Auswahl der Arten setzt man auf einen Mix von Rotbuche, Rot-Eiche, Traubeneiche, Stieleiche, Schwarznuss, Sommer- und Winterlinde.


Zum Nach- und Weiterlesen:

RNZ-Artikel vom 5./6.03.2022: „Warum wurden Bäume in der Bahnstadt gefällt?“; der Artikel beantwortete die Leserfrage nach den (für das Klimawäldchen) gefällten Bäumen im Spitzgewann.

Artikel auf der Website der Stadt: „Heidelberg forstet auf: Das erste ‚Klimawäldchen‘ kommt“ (17.01.2022).  

Denis Schnur: „Jetzt wird das erste ‚Klimawäldchen‘ angelegt“, in: RNZ vom 19.01.2022.