Bäume mit dem besonderen Dreh

Bäume wachsen bekanntlich nicht in den Himmel – obwohl sie zeitlebens himmelwärts streben. Trotz ihres steten Wachstums nach oben sind die allermeisten Baumstämme aber nicht kerzengerade. Vielmehr sind die Stämme häufig etwas verzogen oder haben einen leichten Schwung.

Es gibt aber auch Bäume, die zu viel „Schwung“ haben: Ihr Stamm wächst schraubig verdreht. Der Fachbegriff dafür ist „Drehwuchs“.

Ziemlich verzwirbelt: der Stamm eines Mandelbaums in einem Garten in der Wilckensstraße, Neuenheim.
Derselbe Baum in Gesamtansicht: Wie man sieht, steht der Baum an einem sehr geschützten Standort. Die Lage kann also nicht an dem „Dreh“ schuld sein.

Wie kommt es zum Drehwuchs?

Die länglichen Holzfasern im Inneren eines Baums wachsen nie genau parallel zu seiner Stammachse, sondern in der Regel leicht verdrillt. Der Vorteil für den Baum: Der verwundene Verlauf erhöht die Biegesteifigkeit und Druckstabilität.

Bei manchen Bäumen ist die spiralige Ausrichtung der Holzfasern besonders ausgeprägt. So kommt es zum Drehwuchs. Er ist zu über 70% genetisch bedingt. Daher zeigen Nachkommen von drehwüchsigen Bäumen meist ebenfalls die Neigung zum spiraligen Wuchs. In manchen Fällen spielen aber auch örtliche Gegebenheiten, wie extreme Hanglage, starkes Einwirken von Winden oder das höhere Baumalter eine Rolle.

Wechselnder Drehwuchs bei Tropenhölzern

Es gibt links- und rechtsgerichteten Drehwuchs, manchmal wechselt sogar die Richtung. Gerade  tropische Baumarten entwickeln häufig einen wechselnden Drehwuchs. Die abwechselnd schräg links und schräg rechts verlaufenden Holzfasern stabilisieren den Stamm in der Art einer elastische Bandage. Diese flexible Korsage gibt besonders während heftiger Tropenstürme den notwendigen Halt.

Baumarten, die zum Drehwuchs neigen

Dazu gehören v.a. Obstbäume, Ess- und Rosskastanie, Ahorn, Buche, Lärche und Kiefer.

Stamm mit Drehwuchs an der Berliner Straße, Neuenheim.
Stamm einer Kastanie, Berliner Straße/Ecke Rottmannstraße.
Drehwuchs bei einer Robinie im Botanischen Garten.
Rosskastanie im Gneisenau-Park, Bergheim.

Verwertbarkeit des Holzes

Drehwüchsiges Holz gilt heute als minderwertig. Der Grund liegt klar auf der Hand: Bretter und Balken aus drehwüchsigem Holz verziehen sich stark.

Früher, als das Holz noch nicht maschinell geschnitten wurde, konnte sich der Zimmermann den besonderen Faserverlauf des krummen Holzes zunutze machen: Drehwüchsiges Holz fand bevorzugt Verwendung für Spanten von Schiffen.

Noch mehr eindrucksvolle Beispiele für Drehwuchs finden sich hier.


Zum Nach- und Weiterlesen:

Kai Sühlfleisch: „Wie Krümmung und Drehwuchs die Holzqualität beeinflussen“ (4/2020) https://www.waldbauernschule.bayern.de/mam/cms02/waldbauernschule/dateien/afz_4_20_wbs_holzmerkmale.pdf.

Prof. Dr. Rupert Wimmer: „Holz – natürlich verdreht“ (1/2014) https://www.holzkurier.com/rundholz/2014/01/holz_natuerlich_verdreht.html.

T. Geburek: „Warum dreht sich die Rotbuche?“ BFW-Praxisinformation 12, 18 – 19 (2006). Oder online https://www.waldwissen.net/de/waldwirtschaft/waldbau/waldverjuengung/warum-dreht-sich-die-rotbuche.