Der „Andere Park“ – zur Hälfte grün, zur Hälfte kahl

In der Südstadt wurde nach 2 Jahren Bauzeit der sog. „Andere Park“ auf dem ehemaligen US-Militärgelände der Südstadt eröffnet. Er erstreckt sich westlich und östlich der Römerstraße auf verschiedene Teilflächen.

Wie anders der Park ist, merkten die Anwesenden gleich bei der Eröffnungsveranstaltung. Denn die Einweihung fand auf dem teils asphaltierten, teils geschotterten Marlene-Dietrich-Platz vor dem neuen „Karlstorbahnhof“ statt. „Ja, wo ist denn jetzt der Park?“, fragten sich sicher viele im Stillen angesichts der uninspiriert kahlen Umgebung.

OPTISCH EIN FLOP: Der Marlene-Dietrich-Platz vor dem neuen „Karlstorbahnhof“ – einer der beiden großen leeren Plätze.

Während der teilversiegelte Platz vor dem Kulturhaus nicht schön, aber immerhin zweckmäßig ist, folgt bei einem Rundgang vom Südwestende des Geländes aus der größte Schock: Das riesige Areal des ehemaligen Paradeplatzes erinnert an eine Szenerie aus dem Film „Der Wüstenplanet“.

Rotbrauner Sand, gemischt mit feinem Schotter, bedeckt das ausgedehnte Rund, nirgends Schatten. Nur ganz am Rand in den vier Ecken des Areals stehen einige Bestandsbäume; hier kamen etwa 60 Bäume neu hinzu.

Nach dem Willen des Denkmalschutzamtes sollte ursprünglich sogar das gesamte Quadrat des ehemaligen Paradeplatzes im Originalzustand (roter Sand) erhalten bleiben. Dem Planungsbüro Studio Vulkan ist es zu danken, dass wenigstens die vier Ecken des Platzes mit Bäumen begrünt werden durften und nun „nur“ ein großer Kreis das originale Erscheinungsbild widerspiegelt.

UNENDLICHE WEITEN Der frühere Paradeplatz (Blick Richtung Südosten).
Immerhin: Als kleines Highlight in so viel Trostlosigkeit gibt es für die kids am neuen „Forum“ ein Wasserspiel zur Abkühlung, das sich auch prompt großer Beliebtheit erfreut (Blick Richtung Westen).

Gedacht ist der ehemalige Paradeplatz (jetzt: „Forum“) laut Konzept als Begegnungsstätte und Eventfläche. Aber mal ehrlich: Wie viele Events werden realistischerweise dort stattfinden, wenn ringsum direkt angrenzend Leute wohnen? Und ist es das wert, dass die Anwohnenden die allermeiste Zeit des Jahres auf einen öden, staubigen Platz blicken müssen? Hier wurde aus Gründen des Denkmalschutzes ein riesiges Areal mit viel Potenzial komplett verschenkt.

Rostrote Wege verbinden die einzelnen Parkteile. Die Lampen und die Beton-Sitzgruppen stammen noch aus den US-Beständen und wurden wiederverwendet.

Über rostrot gefärbte Wege gelangt man in das (vom „Forum“ aus gesehen) nördlich gelegene, bis zur Rheinstraße reichende eigentliche Parkgelände. Hier prägt alter Baumbestand aus US-Zeiten das Bild, der glücklicherweise weitgehend erhalten geblieben ist.

Gras für eine Liegewiese wurde eingesät, und vor allem für die Kinder ist viel geboten. Bei den Kleinsten kommt der Sand-und-Matsch-Bereich (mit Sonnensegel) bestens an, eine „Schaukel­welt“ und ein naturnahes Spielgebüsch sind ebenfalls ganz nach dem Geschmack der „Minis“.  Die älteren Kinder finden am angrenzenden (schon länger eröffneten) Spielplatz in der Elsa-Brandström-Straße ein reiches Betätigungsfeld.

Der Sand- und Matschbereich, die Heckenspielwelt.
Der Bereich um das Kletternetz.
Die geschwungeneTartanbahn.
RELAXEN IM GRÜNEN Die Liegewiese kommt gut an. Sie ist aber viel zu klein bemessen angesichts der vielen Menschen, die einmal in dem Quartier wohnen werden.
DER BEREICH RUND UM DAS EHEMALIGE EDDYHOUSE Der alte Baumbestand stammt noch aus US-Zeiten.

Zu dem „Anderen Park“ hinzugerechnet wird noch der sog. „Common Ground“ auf der anderen Seite der Römerstraße, südlich der ehemaligen „Chapel“; diese wurde schön renoviert und kann jetzt als Bürgerhaus genutzt werden.

Plötzlich zum öffentlich zugänglichen „Common Ground“ erklärt: Der vorher private Grünstreifen zwischen Kirschgarten- und Römerstraße.

Der „Common Ground“ ist die – durch zusätzliche Bäume – aufgewertete Rasenfläche, die schon vorher bestand und damals nur von den Anwohnenden genutzt wurde. Jetzt, als Teil des Parks, ist die Rasenfläche öffentlich zugänglich; ein Teil des Geländes darf für Urban-Gardening-Projekte verwendet werden. Der „Common Ground“ bringt also unter dem Strich kein Plus an grüner Fläche.

Fazit: Tops und Flops

Der „Andere Park“ ist mit insgesamt 7 Hektar größer als die Neckarwiese, bietet aber bei Weitem nicht so viel Grün und nicht annähernd den gleichen Erholungswert.

Immerhin ist der nördliche Teil ansprechend als Park gestaltet, mit vielfältigen Angeboten insbesondere für Kinder. Allerdings findet sich hier im Spielbereich kein Hälmchen Gras: Wo es geht, greift man zu „alternativen Oberflächen“, wie Tartan, Asphalt, Sägespäne, wassergebundene Wegedecke.

Mit dem Schotterplatz „Forum“ wurde aus Gründen des Denkmalschutzes eine Riesenchance auf mehr Grün vertan. So bekommt die Südstadt an dieser Stelle statt eines grünen Ortes eine öde Fläche – der Gadamerplatz lässt grüßen.

Insgesamt bringt der „Andere Park“ unterm Strich keinen Zuwachs an Grün – eine bittere Bilanz angesichts der großen Fläche, die es zu gestalten galt.

Hintergrund:

Der „Andere Park“ wurde auf einem Teil der US-Konversionsflächen von ehemaligem Mark-Twain-Village bzw. der Campbell-Barracks. Der neue Grünzug erstreckt sich westlich und östlich der Römerstraße, die Rhein­straße bildet die Grenze im Norden. Bei dem „Anderen Park“ handelt es sich um ein Pro­jekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Heidelberg; die Entwürfe stammen von dem Zürcher Büro Studio Vulkan.

Die Vision hinter dem Projekt: Der „Andere Park“ soll ein lebendiger Ort der Begegnung sein. Seine „Anders­artig­keit“, die der Name andeutet, bezieht sich auf die große Palette an Nutzungs­angeboten, durch die er sich von her­kömm­lichen Grünanlagen bzw. Freiflächen unterscheidet. Die Historie des Ortes soll präsent sein.

Der ehemalige Haupteingang der Campbell Barracks. Die alten Schilder sollen die Erinnerung an die Vergangenheit lebendig halten. Außerdem wird es noch ein multimediales Informationssystem zur Historie des Geländes geben.