Summen und Brummen auf dem Friedhof

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Insekten bei uns dramatisch zurückgegangen. Der Schwund betrifft die Biomasse der Insekten insgesamt, aber auch das Verschwinden vieler Arten. Insekten sind wichtig für Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen sowie als Nahrungsquelle für Vögel, Amphibien und Säugetiere.

Monokultur, Pestizideinsatz sowie Flächenfraß sind wesentliche Ursachen für den Verlust von Lebensräumen. Die Stadt mit ihren zahlreichen unterschiedlichen Strukturen (Parks, Gärten, Teiche usw.) ist für viele Arten bereits zum Ersatz-Rückzugsgebiet geworden.

Projekt „insektenfreundlicher Friedhof“

Unter den städtischen Grünflächen bieten die Friedhöfe noch ein gewaltiges Potenzial für den Erhalt der Artenvielfalt  – Potenzial, das bisher noch längst nicht genügend ausgeschöpft ist.

In diese Lücke stößt nun das Projekt „Insektenfreundlicher Friedhof“ des Bunds für Umwelt- und Naturschutz (BUND); unterstützt wird das Projekt von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg. Vier Friedhöfe in BW wurden als Modell für das Projekt ausgewählt, darunter der Handschuhsheimer Friedhof.

Der Handschuhsheimer Friedhof: alter Baumbestand, viele kleine Wiesenflächen.
In den letzten Apriltagen naschten die Rosenkäfer in großer Zahl von den Blüten der Mehlbeere am H’heimer Friedhof.
Rosenkäfer.

Im Zuge der Aktion „insektenfreundlicher Friedhof“ wurden bereits Ende März unter fachlicher Begleitung durch das Landschafts- und Forstamt 4 Mustergräber angelegt, 2 Schatten- und 2 Sonnengräber (Nähe Haupteingang des H’heimer Friedhofs). Nun, einige Wochen später sind die Pflänzchen immerhin schon so weit herangewachsen, dass sich die Arten leicht unterscheiden lassen. Die Pflanzlisten werden auf schön gestalteten Tafeln gleich mitgeliefert.

Liste mit insektenfreundlichen Pflanzen für sonnige Grabstellen.
Sonnengrab 1.
Sonnengrab 2.
Liste mit insektenfreundlichen Pflanzen für sonnige Grabstellen.
Schattengrab 1.
Schattengrab 2.

Die Betriebsleiterin des H‘heimer Friedhofs und Gärtnermeister Philipp Jäger haben bereits weitere Ideen, wie sie ihren Friedhof noch weiter ökologisch aufwerten können. Angedacht sind Wildblumenwiesen, insektenfreundliche Stauden und Gehölze sowie Nisthilfen für Wildbienen.

Auch Brennnesseln haben ihren Platz auf dem insektenfreundlichen Friedhof. Denn: viele Schmetterlinge wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Landkärtchen sind auf die Brennnessel zum Überleben angewiesen. Ihre Raupen fressen nichts anderes.
Wiesenstücke mit Wildpflanzen erhöhen das Angebot an Nahrung und Lebensraum.

Eine ähnliche Aktion, ebenfalls mit Anlage eines Mustergrabs, führte der NABU Köln im April auf dem großen Melaten-Friedhof durch. Auch eine gute Idee für die Förderung der Artenvielfalt: Am Kölner Westfriedhof pflanzte der NABU  zusammen mit den Friedhofsgärtnern eine Vogelschutzhecke. Das Besondere daran – die aus robusten, insektenfreundlichen heimischen Gehölzen bestehende Hecke wurde in drei Reihen gepflanzt, um den Vögeln neben Nahrung zusätzlich noch Unterschlupf- und Nistmöglichkeit zu bieten.


Zum Nach- und Weiterlesen:

Artikel: „Ein reichhaltiges Buffet für Bienen und Schmetterlinge – BUND stellte in Handschuhsheim das Modell-Projekt ‚Insektenfreundlicher Friedhof‘ vor“, in: RNZ vom 29.03.2022.

Website des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz zum Thema „Insekten schützen – Vielfalt bewahren“.

Weitere Tipps für die ökologische Grabgestaltung finden Sie im Internet auf der Website der Bremer Umweltberatung; in dem PDF finden Sie neben praktischen Vorschlägen auch Listen mit geeigneten Pflanzen.