Baumruinen nach unsachgemäßem Radikalschnitt

Immer wieder sieht man im Stadtgebiet Bäume mit radikal gekappten Kronen. Mit fachkundiger Baumpflege haben solche brutalen Schnitte nichts zu tun. Vielfach sind Billigunternehmer oder Hausmeisterteams die Urheber, die keine fachliche Ausbildung haben, aber „Baumschnitt“ für kleines Geld anbieten.

Nach dem Motto „Das haben wir gleich“ wird rasch die Motorsäge angesetzt. Das Ergebnis: Traurig anzusehende, verstümmelte Bäume, deren langsames Dahinsiechen damit eingeleitet ist.

Alle Bilder von der Freiburger Straße, Rohrbach.

Was geschieht nach einem Kappschnitt mit dem Baum?

Zunächst einmal verursachen solche Schnitte viele große Wundflächen – ideale Eintrittspforten für Pilze und andere Schadorganismen. Das Entstehen von Fäulnisprozessen ist vorprogrammiert.

Zum anderen verändern solch massive Eingriffe auch das Verhältnis von Kronenbelaubung und Wurzelmasse. Normalerweise gilt die Faustregel: Die Wurzelmasse entspricht der Kronengröße.

Wird aber die Krone stark eingekürzt, können die Wurzeln nicht mehr ausreichend mit „Nahrung“ versorgt werden. („Nahrung“ = die Assimilate, die per Fotosynthese in den Blättern entstehen). In der Folge stirbt ein Teil der Wurzeln ab; die Standfestigkeit des Baums ist beeinträchtigt.

Normalerweise treiben gekappte Bäume wieder aus. Mit der Aussage „Der kommt doch wieder“ macht man es sich aber zu leicht. Der Baum ist bemüht, sein Defizit an Volumen in der Krone möglichst rasch auszugleichen und treibt daher in großer Zahl sog. „Wasserschosse“ aus. Diese sind aber mit normalen Ästen in Aussehen und „Leistung“ keineswegs gleichzusetzen. Hinzukommt die ästhetische Einbuße durch die völlige Zerstörung des normalen Kronenbilds.

Wie sieht ein fachlich kontrollierter Baumschnitt aus?

Im Idealfall wird nur so wenig wie nötig weggenommen und das typische Erscheinungsbild des Baums bleibt erhalten.

Im öffentlichen Raum gilt für die Baumkontrolle immer die Verkehrssicherungspflicht. D.h., es muss durch geeignete Maßnahmen sichergestellt werden, dass von einem Baum keine Gefahr z.B. für Passanten ausgeht. Beispielsweise muss daher Totholz entfernt werden oder von dem Massariapilz befallene Äste.

Über einer Straße muss ein Lichtraumprofil von 4,50 m freigehalten werden (damit z.B. Busse, Lkw etc.) problemlos passieren können. Bei Geh- und Radwegen beträgt die vorgeschriebene Höhe 2,50 m.

Bestimmte Gegebenheiten können zwar mitunter größere Schnittmaßnahmen erfordern, aber ein kräftiges Einkürzen der Höhe (Kappung) gehört normalerweise nicht zu einer fachgerechten Baumkontrolle.


Zum Nach- und Weiterlesen:

Instagramaccount der Forstwissenschaftlerin und Waldökologin Daniela Antoni baumkontrolle_im_netz zum Thema fachgerechter Baumschnitt.

Daniela Antoni: „Kleine Altersbeschwerden sind kein Grund für die Axt – Über das leichtfertige Fällen von Stadtbäumen und Fehler bei der Pflege der Gewächse“, Artikel in: Der Spiegel 16/2022.

Artikel „Kappschnitt“ von der Fa. Rust Gartenbau.