Asiatische Hornissen in Heidelberg

Die Asiatische Hornisse ist in Heidelberg angekommen. Bereits 2022 gab es sie am Schloßberg. Nun wurde ein (verlassenes) Nest in einer Platane am Schloßbergtunnel entdeckt.

Nest der Asiatischen Hornisse, Sekundärnest der Asiatischen Hornisse
Anhand der dicken Äste lässt sich die enorme Größe des birnenförmigen Nestes in der Altstadt erahnen – es ist ca. 80 cm bis 1 m hoch.

Bei diesem Nest handelt es sich um ein sog. „Sekundärnest“, das ein ganzes Volk beherbergt. Es war im Sommer letzten Jahres das Heim von bis zu 2000 Asiatischen Hornissen, darunter etliche Königinnen.

Nest der Asiatischen Hornisse, Sekundärnest der Asiatischen Hornisse, Heidelberg, Baden-Württemberg
Schon von Weitem ist der dunkle „Ballon“ zu sehen, der hoch im Wipfel hängt. Das Nest ist am Boden schon etwas kaputt. Da es schon seit vergangenem Herbst verlassen ist, kann es einfach am Baum bleiben, bis es von selbst abfällt.

Woher kommt die Asiatische Hornisse?

Die Asiatischen Hornissen, die sich derzeit invasiv in Europa ausbreiten, stammen vermutlich alle von einer einzigen Königin ab, die mit chinesischer Töpferware per Schiff nach Europa kam. In Bordeaux wurde der erste europäische Fund nachgewiesen.

Inzwischen haben sich diese Insekten in Frankreich, Spanien und Portugal weit ausgebreitet. Auch in Italien, Belgien, den Niederlanden und England wurden sie schon gesichtet. In Deutschland gibt es auch zunehmend mehr Nachweise, z.B. im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in BW (hier allein 59 gemeldete Nester bisher).

Wie sieht die Asiatische Hornisse aus?

Die gute Nachricht zuerst: Es handelt sich nicht um die Asiatische Riesenhornisse, die zwischen vier- und fünfeinhalb Zentmeter groß wird. Sondern es geht um die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax), die sogar etwas kleiner ist als unsere heimische Hornisse.

Asiatische Hornisse
Die Asiatische Hornisse ist dunkler gefärbt als die heimische Hornisse und hat gelbe Beine. Foto: Francis Ithurburu (CC BY-SA 3.0).
Einheimische Hornisse
Unsere einheimische Hornisse: rötliche Brust, braunrote Beine, gelb-oranger Hinterleib. Foto: gemeinfrei Pixabay.

Am auffälligsten sind bei der Asiatischen Hornisse ihre schwarze Brust („nigrithorax“) und ihre gelben Beine; auch der Hinterleib ist dunkel mit gelben Binden. Dagegen besitzt die heimische Hornisse (Vespa crabro) eine rötliche Brust, einen gelb-orangen Hinterleib mit Punkten und Binden und braunrote Beine.

Wie schädlich sind die Asiatischen Hornissen?

Die Asiatische Hornisse ist eine Bedrohung für unsere Honigbienen. Im Frühjahr fressen die Asiatischen Hornissen jedes Insekt, dessen sie habhaft werden können. Im Sommer aber ernähren sie sich (neben Früchten, Nektar) ganz überwiegend von Honigbienen. Imker sehen eine große Bedrohung in der fremden Spezies, va. durch ihr besonderes Jagdverhalten.

Die Asiatische Hornisse ist nämlich ein äußerst geschickter Flieger; wie eine Libelle kann sie in der Luft „stehen“. Im Schwebeflug lauert sie vor den Bienenstöcken und stürzt sich auf heimkehrende Bienen. Die Bienen sind dadurch gestresst, fliegen weniger aus und sammeln weniger Honig: Das gesamte Volk wird geschwächt.

Welche Auswirkung die Ankunft eines neuen Räubers auf die sonstige Insektenwelt und auf unsere heimischen Hornissen hat, bleibt abzuwarten.

Für den Menschen ist der Stich bzw. die Giftwirkung der Asiatischen Hornisse vergleichbar mit dem Stich einer einheimischen Hornisse; va. Allergiker müssen sich vor beidem hüten.

Wie vermehrt sich die Asiatische Hornisse?

Ihre „zweistufige“ Fortpflanzungsstrategie macht es schwer, ihr beizukommen bzw. sie bei uns wieder völlig loszuwerden. Schon im Frühjahr baut die bereits im vergangenen Herbst befruchtete Königin ein kleines, etwa golfballgroßes Primärnest, zB. in einer Garage. Hier entsteht die erste Generation von Arbeiterinnen. Dieses Nest ist meist bodennah angelegt.

Sobald die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, ziehen sie in rascher Folge weitere Arbeiterinnen auf und füttern die Königin, die unablässig Eier legt.

Mitte Juli zieht das Volk dann um in ein größeres Nest – das entsteht dann hoch oben in der Krone eines Baumes in der Nähe des Primärnestes. Dieses Sekundärnest wächst über den Sommer enorm an, ist aber wegen der dichten Belaubung kaum zu entdecken. Erst im Herbst nach dem Laubfall werden die Nester sichtbar, doch dann sind sie bereits verlassen. Die Arbeiterinnen sind tot und die befruchteten Jungköniginnen haben sich ein Winterquartier gesucht. Im Frühjahr stehen sie sofort in den Startlöchern, um ein neues Volk zu gründen.

Einstufung als invasive Art – Was ist zu tun?

👉Seit 2016 steht die Asiatische Hornisse auf der EU-Liste der invasiven Arten. Damit ist jedes EU-Land verpflichtet, die Nester zu zerstören. Sichtungen der Insekten oder ihrer Nester möglichst per Foto dokumentieren und bei der Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg melden!

👉Die Entfernung eines Nests sollte man unbedingt Profis überlassen. Einfach beim Umweltamt der Stadt anrufen, dann kommt der Hornissenbeauftragte. Er kann auch sicher sagen, ob das Nest wirklich von der Asiatischen Hornisse stammt. Im Gegensatz zu dieser sind nämlich einheimische Hornissen streng geschützt!
Außerdem: Es ist nie eine gute Idee, einem Hornissennest zu nahe zu kommen. Vor allem die Asiatischen Hornissen, sonst friedlich, werden sehr aggressiv, sobald man ihrem Nest zu nahekommt.


Zum Nach- und Weiterlesen:

Julia Köppe: „Sie belagern, jagen und fressen ihre Gegner“, in: Spiegel online vom 17.5.2023.

Website Nabu-Deutschland: Asiatische Hornisse hat Deutschland erreicht

Website Nabu-BW: Asiatische und Europäische Hornisse im Vergleich

Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (für Sichtungen der Insekten oder Nester)